Gesagt ist nicht gehört
April 2025
Gute Absichten können unerwünschte Wirkungen haben
Viele Führungskräfte kommunizieren klar, gut vorbereitet und mit konstruktiver Haltung – und erleben trotzdem, dass etwas anderes ankommt als gemeint. Das liegt selten an fehlender Kompetenz oder mangelnder Wertschätzung.
Sondern daran, dass Bedeutung nicht einfach übertragen wird, sondern beim Gegenüber entsteht – aus dessen Perspektive, Erfahrung und aktueller Situation heraus. Deshalb kann ein und dieselbe Aussage motivierend, irritierend oder kritisierend wirken.
Menschen hören nicht neutral
Was gesagt wird, trifft nie auf einen neutralen Raum. Es trifft auf Erfahrungen, Beziehungsgeschichte, Rollenverständnis und aktuelle Situation. Deshalb ist Missverstehen kein Ausnahmefall, sondern Normalität. Kommunikation ist nicht fehleranfällig – sie ist vielschichtig. Wer wirksam kommunizieren will, akzeptiert diese Vielschichtigkeit und richtet seine Kommunikation darauf aus.
Bewusst kommunizieren heißt, Wirkung mitzudenken
Bewusste Kommunikation bedeutet nicht, jedes Wort zu kontrollieren. Sie bedeutet, sich darüber im Klaren zu sein, dass Worte immer etwas auslösen – auch dann, wenn sie gut gemeint sind. Gerade im Führungsalltag entsteht Wirkung oft weniger durch das Gesagte als durch das, was zwischen den Zeilen verstanden wird: Erwartungen, Bewertungen, Zugehörigkeit oder Abgrenzung.
Sich um Verstandenwerden zu bemühen heißt deshalb nicht, sich zu verbiegen. Es heißt, Verantwortung für die mögliche Wirkung der eigenen Worte zu übernehmen.
Wahrnehmung ist nicht die Wahrheit
Wahrnehmung und Wirkung sind immer subjektiv. Feedback lebt davon, diese Subjektivität sichtbar zu machen: Ich spreche aus meiner Sicht, nicht aus einer objektiven Wahrheit. Bei Erwartungen ist das anders. Sie sind kein Wunsch, sondern Teil von Führung und Zusammenarbeit.
Wirksame Kommunikation verbindet beides: Sie macht die eigene Wahrnehmung transparent und benennt gleichzeitig klar, was erwartet wird und woran sich Zusammenarbeit orientiert.
So entsteht Klarheit – ohne Härte und ohne Beliebigkeit.
Kurzgefasst
Gute Absichten schützen nicht vor unerwünschter Wirkung.
Menschen hören aus ihrem Kontext, ihrer Rolle und ihren Erwartungen heraus.
Wirksame Kommunikation bedeutet, sich aktiv um Verstandenwerden zu bemühen.
3 Fragen
- Was möchte ich mit meiner Aussage ermöglichen oder klären?
- Aus welcher Rolle hört mein Gegenüber mir gerade zu?
- Woran kann ich erkennen, dass meine Botschaft wirklich angekommen ist?
Mini-Tool
Der Gesprächs-Check:
Beende wichtige Gespräche mit einer kurzen Klärung: „Was nimmst du aus dem Gespräch für dich mit?" und „Was ist für dich jetzt klar – und was noch offen?" So entsteht gemeinsames Verständnis – ohne Kontrolle, aber mit Verantwortung.
Ein Gedanke zum Schluss
Kommunikation wird nicht dadurch wirksam, dass sie gut gemeint ist, sondern dadurch, dass sie anschlussfähig ist.
Passend dazu: Rollen einer Führungskraft – warum Klarheit vor Kommunikation kommt
Möchten Sie Ihre Kommunikation gezielt weiterentwickeln? Hier finden Sie einen Überblick über meine Leistungen im Coaching & Training.
Interesse an einem Kennenlerngespräch?
Ich begleite Sie gern auf Ihrem Weg – empathisch, klar und mit dem Blick fürs Wesentliche.